Die Schneemänner (Erster von vier Teilen. Sonntag, 3. Dezember 2017)

Das ganze kleine Dorf, die Häuser, die Bäume und die Wiesen waren voller weichem und frischem Schnee. Es war noch nicht Weihnachten, der erste Advent stand vor der Türe...

In den Gärten der Häuser, zwischen Freudengeschrei und geworfenen Schneebällen, spielten Antonio, Giovanna, Paolo, Maria und bauten Schneemänner... Unter den größeren Kindern stach Nicoletta hervor die erst seit kurzem im Dorf lebte, aber bereits die Sympathie aller gewonnen hatte; sie unterrichtete mit Freude die kleineren und organisierte die Arbeiten.

«Komm schon! Nimm einen Schneeball... drücke ihn ganz fest!», forderte sie fröhlich auf. «Komm! Leg ihn auf den Schnee und… lass ihn rollen!».

«Wie schön... Der Ball wird grösser...», rief Antonio aus...

Alle hatten Spaß. Bloß ein Kind, Namens Arturo, war entschlossen nicht an den Spielen mitzuwirken. Er war sehr eigenbrötlerisch und manchmal auch bockig. In seinem Zimmer versteckt, schaute er Fern. Es lief ein Polizeifilm. Arturo sah oft Fern und träumte stark und groß zu werden, wie die Helden die er in den Filmen sah. Die Sonne war am Untergehen, das Geplapper und die Begeisterung der Kinder draußen mischten sich mit den Dialogen im Zimmer, welches, mit den gezogenen Vorhängen, nur vom Video beleuchtet war...

«Mein Freund ist schwer verletzt! Das werdet ihr büßen!», ...Bang! Bang...! «Ahh...! Meine Schulter... Verfluchte Polizisten, ihr habt auch mich getroffen! Ich muss fliehen... Es tut mir Leid, mein Freund, aber ich muss dich verlassen!».

«Komm! Wenn der Ball so groß sein wird, dass du ihn nicht mehr rollen kannst, ruf um Hilfe und wir werden dir helfen».

Die Dorfkinder wollten einen Schneemann in jedem Garten bauen und strengten sich an dies vor dem Abend zu bewältigen. In Arturos Zimmer aber… überließ der an der Schulter verwundete Bandit den Freund seinem Schicksal...

Die Türe sprang auf und das Kind zuckte auf. «Es ist nur die Mutter», dachte er.

«Komm schon, Arturo! Geh nach draußen und spiele mit den anderen Kindern», forderte sie ihn freundlich auf, «es wird Spaß machen!».

«Nein! Ich spiele nicht mit kleineren Kindern. Nun bin ich schon neun Jahre alt und groß! ».

«Sei nicht so störrisch! Du stehst ganz steif und hast ein trauriges Gesicht...».

«Ich bin nicht traurig! Ich schaue mir einen tollen Film an, sehr interessant. Und ich will ihn nicht verpassen!».

«Nichts zu machen», sagte die Mutter nervös. «Du wirst ein anderes Mal fernsehen! Nun gehst du hinaus und spielst mit den anderen Kindern!».

«Ich gehe nicht hinaus!», beharrte er rebellisch. «Würde ich hinausgehen... dann würde ich all diese lächerlichen Schneebälle zerstören...», antwortete Arturo und schaute sie herausfordernd an. Er war entschlossen den Film bis zum Ende zu sehen: er wollte seinem Helden nah bleiben und nicht seinem Schicksal überlassen!

Die Mutter wurde traurig. Sie bedauerte, dass ihr Sohn auf solche Weise mit ihr sprach. «In Ordnung...», sagte sie, «schau nur Fern... Aber wenn du denkst das Beste zu tun... dann irrst du dich gewaltig!».

Arturo erwiderte nichts, glücklich erhalten zu haben was er wollte. «Ich weiß, was das Beste für mich ist», dachte er, während die Mutter, enttäuscht, in die Küche ging.

Die Mutter wollte das Abendessen vorbereiten. In Kürze würde ihr Mann nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommen. Auch er hatte es schwer mit dem Sohn: zusammen erreichten sie es nicht ihm verständlich zu machen, dass er nicht so frech und selbstherrisch sein sollte... «Ah!», erinnerte sich die Mutter, «seit jenem Mal ist er so unausstehlich geworden. Das letzte Jahr, gleich nach Weihnachten...».

 

 

Fortsetzung folgt nächsten Sonntag, 10. Dezember 2017

 

 

 

Giuseppe Veronese

 

Übersetzung: Anna Veronese (www.perlenere.net/)

 

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